Neueröffnung am 21. Juni 2018

Das Martin-Niemöller-Haus: Pfarrhaus, Friedenszentrum, Erinnerungsort

Repräsentatives Pfarrhaus und Friedenszentrum, Wohngemeinschaft und Geschäftsadresse, Unterkunft für Geflüchtete und Beratungsstelle für Kriegsdienstverweigerer, Kindertages­stätte und Erinnerungsort; das Martin-Niemöller-Haus trug bereits mehrere Bezeichnungen und erfüllte im Laufe seiner Jahrzehnte noch viel mehr Funktionen. 

Mit der Neueröffnung im Sommer dieses Jahres kamen weitere hinzu. Die vergangenen Jahre, die nach außen hin sichtbar geprägt waren durch die dringend notwendigen baulichen und energetischen Sanierungsmaßnahmen, wurden intensiv genutzt, um das Profil des Hauses abermals konzeptionell zu aktualisieren. Es entsteht an historischer Stelle ein zeitgemäßer Lern- und Erinnerungsort, der an die Erfahrung des kirchlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus erinnern und ihn in seiner Bedeutung für die Gegenwart vermitteln will. Nicht zuletzt in der Tradition des friedenspolitischen Engagements kirchlicher und anderer zivilgesellschaftlicher Akteure soll das Martin-Niemöller-Haus zudem als Tagungs- und Veranstaltungsort genutzt und verstanden werden.

Mit dem Pfund des authentischen Ortes, einer neuen Ausstellung sowie mit pädagogischen Angeboten und einer Reihe von Veranstaltungen will das Martin-Niemöller-Haus zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Dahlemer Bekenntnisgemeinde und in ihrer Nachfolge zum Engagement für eine offene, partizipative und vielfältige Gesellschaft anregen. Dieses Ziel – das bereits ausführlicher und mehrfach in den Berichten des GKR, den Informationsmedien des Projektes „Erinnern – Lernen – Handeln“ und in vielen Gemeindeblatt-Artikeln beschrieben wurde – geht das Martin-Niemöller-Haus im Rückbezug und Vertrauen auf ein evangelisches Bildungsverständnis an. Auch auf den Rückhalt aus der Dahlemer Gemeinde, des Kirchenkreises und des Friedensvereins kann das Haus bei dieser Mission bauen. Zudem ist das Martin-Niemöller-Haus fest eingebunden in die erinnerungskulturelle Landschaft der EKBO.

Dennoch wollen solche Zielsetzungen und Begrifflichkeiten erst einmal mit Inhalten gefüllt werden. Die Eröffnung eines neuen, der Öffentlichkeit zugänglichen und über Dahlem hinaus strahlenden Ortes ist durchaus ein ambitioniertes Ziel und ein starkes Statement der Gemeinde, gerade in einer Zeit, in der über Zukunftsperspektiven von Kultureinrichtungen im Berliner Südwesten diskutiert wird – man denke nur an den Streit um die Nachnutzung der Museen Dahlem, den beschlossenen Wegzug des AlliiertenMuseums oder die Pläne zum neuen Tourismus-Besucher-Zentrum Glienicke. Das Haus mit Leben zu füllen und stetig, also auch über die Eröffnung hinaus, an dem neuen Profil weiterzuarbeiten, wird daher eine wichtige Aufgabe und Herausforderung für das Martin-Niemöller-Haus darstellen. Eine, die allerdings lohnenswert ist, dieser Gemeinde sicherlich gut zu Gesicht steht und von ihrem starken Ehrenamt auch bewältigt werden kann. Die Geschichte und der Geist dieses Ortes jedenfalls verdienen es, verständlich an eine breite Öffentlichkeit vermittelt und in ihrer Relevanz weithin wahrgenommen zu werden.

Gerade jüngere Generationen, die fast ausnahmslos politische Stabilität in Europa und keine mit früheren Generationen vergleichbaren existenziellen Nöte kennengelernt haben, brauchen solche Orte, die authentisch davon berichten können, dass dies nicht selbstverständlich ist. Das Erinnerungsensemble um das Martin-Niemöller-Haus kann eine solche Funktion in der Gesellschaft einnehmen. Hier erfahren Besucher, was es heißt, unter Gefahr für das eigene Leben seine Menschlichkeit zu bewahren, in Überzeugung christlicher Werte zu handeln und für Mitmenschen einzutreten. Die Vermittlung der Geschichte der Bekennenden Kirche und des widerständigen Lebens ihrer Mitglieder, ist ein Beitrag der heutigen Gemeinde für die mündige Gesellschaft von morgen.

Arno Helwig

 

 

 

 

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