Umweltmanagement in der Kirche – Der Grüne Hahn

„Bewahrung der Schöpfung“ – in der Gemeindearbeit spielen die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit schon lange eine wichtige Rolle. Nun wird es noch konkreter, noch verbindlicher.

In seiner Sitzung am 3. Mai 2016 hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, eine Projektgruppe damit zu beauftragen, das zertifizierte Umweltmanagement für Kirchen – „Der Grüne Hahn“ – bei uns einzuführen. Dahlem ist neben Kleinmachnow Vorreiter innerhalb des Kirchenkreises.

Was ist das Ziel?
Die Gemeinde will, kurz gesagt, das eigene Verhalten hinterfragen: Können wir noch besser werden im Umgang mit den Ressourcen? Es geht beispielsweise um Fragen wie: Sind die elektrischen Anlagen, Heizung, Wasser, Gebäude, Beschaffung und Entsorgung im täglichen Gemeindeleben so eingerichtet und bestellt, dass sie nachhaltig sind und sparsam – aus ökologischer und ökonomischer Sicht? Selbst die kleinen Alltagsfragen sind berührt – bis hin zum Verbrauch von Kopierpapier. Insgesamt soll ein Prozess in Gang kommen, der die ganze Gemeinde einlädt, sich den Themen „Nachhaltigkeit“, „Gerechtigkeit“, „Globale Verantwortung“ zuzuwenden und gemeinsam praktische Schritte zu gehen. Am Ende steht ein umfassendes kirchliches Umweltmanagement mit konkreten Zielen und Schritten – für jedes Gemeindeglied transparent in Rechenschaftsberichten.

1. Die Vorgeschichte

1992 verabschiedete die Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro die Agenda 21. Dieser von 179 Staaten unterzeichnete Aktionsplan für das 21. Jahrhundert fordert, kurz gesagt: Wir müssen lernen, so zu leben und zu arbeiten, dass alle Menschen in Nord und Süd, heutige und zukünftige Generationen ein menschenwürdiges Leben führen können und unsere natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft geschützt werden.

Dies ist ein zutiefst christliches und damit auch kirchliches Anliegen, wie zum Beispiel der bereits 1983 vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Vancouver / Kanada  angestoßene konziliare Prozess „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“ zeigt. Die Hauptfrage seitdem ist, wie sich gangbare Wege der Umsetzung finden lassen.

Mit der Einführung des Ökoaudits durch die Europäische  Union, später EMAS (engl.: Eco Management and Audit Scheme) genannt, haben in den 1990er Jahren zunächst zahlreiche Industrie- und Wirtschaftsuntenehmen, in einem zweiten Schritt (EMAS II, 1997) dann auch Dienstleistungsunternehmen, Kommunen und Nonprofit-Organisationen  umfassende Umweltmanagementsysteme eingeführt. Unter Federführung des Vereins KATE e.V. (Kontaktstelle Umwelt und Entwicklung) in Stuttgart haben sich seit 1998 auch kirchliche Einrichtungen daran beteiligt und es konnte aufgrund dieser Erfahrungen bei der neuerlichen Überarbeitung der Verordnung 2010 (EMAS III) ein weitestgehend identisches Umweltmanagementsystem für Kirchen eingeführt werden unter dem Namen „Grüner Gockel / Grüner Hahn“.

In den beiden letzen Jahren haben zuerst unsere Landeskirche (EKBO) und dann unser Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf Umweltkonzepte verabschiedet. In der Folge hat die Kreissynode neben verschiedenen anderen Maßnahmen auch zwei Gemeinden (Kleinmachnow und Dahlem) gebeten, als Pilotprojekt den „Grünen Hahn“ bei sich einzuführen.

2. Umweltmanagement und Kirchengemeinde

Ein eigenes Umweltmanagement für die Kirchengemeinde – ist das nicht etwas übertrieben? Unsere Gemeinde ist eine der größten im Kirchenkreis. Sie hat zwei Kirchen und sechs weitere Gebäude zu unterhalten, wir betreiben drei Kindertagesstätten und einen Hort, die ganze Woche über gibt es eine Fülle an Veranstaltungen, interne und externe Gruppen, Büronutzungen und so weiter. Viele Kilowattstunden Strom, viele Kubikmeter Gas, Öl, Wasser werden eingesetzt, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Hinzu kommen die Abfallmengen, die regelmäßig entstehen. Diese und weitere Aspekte unseres Gemeindelebens werden durch ein Umweltmanagement einer systematischen kritischen Prüfung und Verbesserung unterzogen.

Folgende Ziele sind damit verbunden:

Die Bewahrung der Schöpfung ist zentraler Ausdruck unseres Glaubens an die Schöpfermacht Gottes (1. Artikel des Glaubensbekenntnisses) und damit essentielle Aufgabe der Kirche. Der „Grüne Hahn“ ist ein systematischer Weg, diese Verantwortung in kirchlichen Strukturen und Arbeitsabläufen zu verankern und damit zu erreichen, dass kirchlicher Umweltschutz vom (manchmal belächelten) „Projekt“ einzelner zum „Prinzip“ kirchlichen Handelns wird.

Eine Kirche, die „Wein“ predigt – politisch mehr Umweltschutz, einen anderen Lebensstil, Maßnahmen gegen den Treibhauseffekt fordert – und im eigenen Bereich „Wasser“ austeilt, erleidet einen Glaubwürdigkeitsverlust. Auch falsche Strukturen „predigen“, haben eine Aussage. Umweltmanagement führt kontinuierlich vom Reden zum Tun und macht Kirche dadurch nach innen und außen glaubwürdiger.

Ganz im Sinne des paulinischen Bildes von Gemeinde als des Leibes, der sich aus vielen Gliedern zusammensetzt (1.Kor 12), lädt der „Grüne Hahn“ jede und jeden einzelnen ein, sich an dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu beteiligen. Verschiedene Talente, Wissen und Können sind gefragt und werden gefördert. Außenstehende werden angesprochen und arbeiten mit. Umweltmanagement ist somit ein wichtiger Beitrag zu einer kommunikativen Gemeindepraxis und zum Gemeindeaufbau.

In Zeiten knapper werdender Mittel müssen neue finanzielle Spielräume geschaffen werden. Einfach ausgedrückt: Jede eingesparte kWh sichert kirchliche Arbeitsplätze und bedeutet auch mehr Geld für die Arbeit mit Menschen.

3. Wie funktioniert das genau?

Der GKR hat eine Projektgruppe eingesetzt, der zunächst Joachim Schneider, Manfred-Jörg Hinrichs, Prof. Thomas F. Wienker, Hubertus von Streit, Frank Steger und Christian Hauß (Umweltbeauftragter der Gemeinde) angehören. Zum Sprecher der Projektgruppe und damit zum Umweltmanagementbeauftragten der Gemeinde wurde der Leiter der AG Energie und Umwelt der Kreissynode Frank Steger berufen.  Diese Gruppe ist offen für weitere Interessierte und hat bei einer Auftaktveranstaltung das Gesamtprojekt am 3. Juli 2016 der Gemeinde vorgestellt.

In der Folge wird aus Schöpfungsleitlinien, der umfassenden Umweltbestandsaufnahme und ihrer Bewertung ein Umweltprogramm geschrieben, das geplante Ziele, Maßnahmen und Verfahrensabläufe festhält. Danach werden in einem schriftlichen Umweltmanagementsystem die Details zur Umsetzung des Umweltprogramms beschrieben, die schließlich in eine Umwelterklärung der Gemeinde münden. Alle Schritte werden am Ende einer internen und  einer externen Prüfung unterzogen, die dann (hoffentlich) mündet in die Verleihung des Zertifikats „Grüner Hahn“. 

4. Fazit
Also doch nur viel Papier beschrieben von wenigen Fachleuten? Nein, nicht ein Zertifizierungssystem steht im Mittelpunkt, sondern das Wohl der Menschen und ihrer Lebensumwelt. Das Zertifikat ist nur ein Hilfsmittel dafür, dass sich möglichst viele Menschen auf den Weg machen, den Aspekt der Schöpfungsverantwortung in ihrem Glauben zu leben.

Pfarrer Oliver Dekara

 

 

 

 

 

 

 

 

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